Die polnische Seele

28. November 2014  
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Was gibt Schmuck aus Polen seine ganz besondere Ausdruckskraft? Kenner der Designszene sind sich einig: Es ist die Seele, die darin wohnt, das gewisse Etwas, das in der Mentalität und auch in der Geschichte des östlichen Nachbarlandes begründet liegt.

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Sie sind ebenso innovativ wie erfolgreich: Schmuckdesigner aus Polen haben sich längst einen festen Platz in der kreativen Schmuckszene erobert. Ihr Lieblingsmaterial ist Silber … und das nicht ganz freiwillig. In der sozialistisch dominierten Zeit war Gold eine Rarität, und die Schmuckschaffenden schätzten sich glücklich, wenn sie genügend Silber für ihre Arbeiten beschaffen konnten. Marcin Zaremski aus Warschau erinnert sich an die erste Zeit seines nunmehr 40-jährigen Wirkens: „In der Periode des Sozialismus waren wir vielerlei Restriktionen unterworfen. Dazu gehörten die Probleme bei der Beschaffung von Silber, das auf zwei Kilo pro Jahr rationiert war. Auch der Verkauf war limitiert, und es gab viele Hindernisse beim Kontakt mit der westlichen Welt. Trotzdem habe ich es geschafft, schon vor 1989 an zahlreichen internationalen Ausstellungen teilzunehmen.“ Zaremski verkauft seinen Schmuck in seiner Heimat lediglich an einem Ort: in der eigenen Galerie in der Warschauer Altstadt. Kunden seien vorwiegend Ausländer, wie er sagt. „Die Frauen in Polen interessieren sich vor allem für den Modeschmuck, der in den großen Frauenmagazinen beworben wird. Deshalb ist ein Markt für Schmuckdesign in Polen so gut wie nicht existent.“ Die großen Anbieter und Produzenten, allen voran der Marktführer Apart, verkaufen Schmuckkollektionen im klassischen Stil. (weitere bekannte Marken sind YES, KRUK, S&A).

Als eine Kennerin der Szene erklärt die Kölner Galeristin Maria Rzewuska die für ihre Heimat typische Schmuckkultur. „Das polnische Schmuckdesign hat sich jahrelang in einer gewissen Isolation entwickelt und war relativ frei von kommerziellen Einflüssen. Viele Designer haben an Kunstakademien studiert, was deren Arbeit deutlich anzumerken ist. Solche Kollektionen finden meist Anerkennung in kunstorientierten Galerien und bei Kunden mit individuellem Geschmack.“ Polnische Schmuckdesigner überraschen immer wieder mit neuen Ideen und der Verwendung innovativer Materialien. Neben Silber 925 sind dies Stahl, Messing, Aluminium, Kunststoff, Plexiglas, organische Materialien und natürlich, in beschränktem Maß, auch Gold. Bis heute liegt es in der finanziellen Situation der Menschen begründet, dass Designschmuck aus Gold Mangelware ist und dass oft mit Zirkonia statt Diamanten gearbeitet wird. Maria Rzewuska beobachtet jedoch eine wachsende internationale Anerkennung für die polnischen Schmuckdesigner, mit denen sie zusammenarbeitet. Das bestätigt ihre Überzeugung, dass
polnischer Schmuck einen besonderen und ganz individuellen Charakter hat: „Dieser Schmuck hat eine Seele“.

Als eine Pionierin in der Vertretung polnischen Schmuckdesigns in Deutschland gilt Elzbieta Katarzyna Aniol in Wuppertal, die schon seit 1989 hochwertigen Silberschmuck von führenden polnischen Designern verkauft. Immer wieder neu und immer wieder anders präsentieren sich die Kollektionen: in Silber pur oder in Kombinationen von Silber und Palladium, Silber vergoldet oder schwarz sulfidiert.

Der Markt ist in Bewegung, das konstatiert Rafael Szyszko, der mit seiner Marke Eva Stone gerade einen Preis für das beste Produkt auf der Juwelenmesse in Warschau gewann. Der Schmuckdesigner beobachtet wachsende Ansprüche seiner ausländischen Kunden. „Es wird besonders auf die Qualität der Produkte geachtet und auch auf den Service. Die Produkte werden schnell ‚alt’, deshalb müssen wir Designer ständig kreativ sein und nach neuen Ideen suchen.“