Schmuck im Stil des Bauhaus

16. November 2018  
Gelistet unter: Design

Bauhausgebäude Dessau, Walter Gropius (1925/26), Südseite

Mit dem großen Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen wird 2019 eine Idee geehrt, die das moderne Design wie kaum eine andere geprägt hat. Wir beleuchten den Einfluss des Bauhaus auf die Schmuckgestaltung einst und heute.

Es hat nicht nur mit der Kraft der klaren Linie und der Logik des funktionellen Designs zu tun, die Lehren des Bauhaus greifen tiefer. Zeitgemäße Architektur ist ohne sie nicht denkbar, und auch das moderne Schmuckdesign erfuhr eine grundlegende Wandlung – wenngleich es nur eine kleine Nebenrolle an der berühmten Schule für Kunst-Design und Architektur spielte.

1919 von dem deutschen Architekten Walter Gropius (ab 1944 US-Amerikaner) in Weimar gegründet und 1925 nach Dessau übersiedelt, wurden vom Bauhaus in nur wenigen Jahren die Grundlagen für eine Kunst- und Designsprache geschaffen, die letztlich alle Lebensbereiche umfasst und gar nicht so leicht in wenige Worte zu fassen ist. Gropius wollte Kunst und Handwerk vereinen, die Gegensätze zwischen beiden aufheben, um zu formaler Meisterschaft zu gelangen. Maßgebend bei der Gestaltung sollte nicht primär der künstlerische Ausdruck, sondern vielmehr Effizienz, Nützlichkeit und Funktionalität sein. 

Halsschmuck von Naum Slutzky (um 1930), der von Walter Gropius ans Bauhaus berufen wurde.

Deshalb wurde auch der bereits existierende (Louis Sullivan, Chicagoer Schule) Designleitsatz „form follows function“ vom Bauhaus als ein Aufruf zum Verzicht auf ornamentale Elemente interpretiert. Das wird in der Architektur deutlich, mit kühnen, rationalen Entwürfen, mit Schlichtheit und Geradlinigkeit, mit der Reduktion auf geometrische Grundformen. Es gibt aber nicht den einen Bauhausstil, der allen Gebäuden und Objekten gemein ist, es gibt nur das Bestreben, die Dinge von Grund auf neu zu denken.

Ring „Stairway to heaven“ von Angela Hübel aus 18 Kt. Weißgold

Beispielhaft für die Ideale der Architektur sind das Bauhaus-gebäude von Walter Gropius in Dessau, heute Weltkulturerbe (zus. mit weiteren Bauhausstätten) und wieder ein lebendiger Ort der experimentellen Gestaltung, Forschung und Lehre. Als neues Highlight soll im September 2019 das Bauhaus Museum Dessau fertiggestellt werden, nach einem Entwurf von addenda architects (González Hinz Zabala), einem jungen Architekturbüro in Barcelona, das in einem offenen internationalen Wettbewerb ausgewählt worden war. Dort wird es endlich geeignete Räumlichkeiten zur Präsentation der umfangreichen Sammlung geben. 

Mit dabei die wichtigen Metallarbeiten, von Möbeln über Türgriffe bis hin zu Leuchten, die im Bauhaus entstanden sind. Einer der Experten für Metall war der in Kiew geborene Goldschmied Naum Slutzky, der 1919 von Walter Gropius ans Bauhaus berufen wurde. Er entwarf unter anderem auch Schmuckstücke, bei denen er nach und nach auf jegliches Dekor verzichtete. Beispielgebend für eine neue Klarheit im Schmuckdesign, die auch an den richtungsweisenden deutschen Ausbildungsstätten der Branche bald schon ihren Niederschlag fand.

Mehr über den Einfluss des Bauhaus auf die Schmuckgestaltung von einst und heute lesen Sie in unserer aktuellen Printausgabe