Nordlichter

3. Dezember 2019  
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© Shutterstock/posteriori

Der raue Norden Europas bietet eine Vielzahl an Inspirationsquellen in Sachen Schmuckdesign. Geprägt von Minimalismus, Funktionalität, aber auch Mut, hat sich skandinavisches Design in diesem Bereich einen Namen gemacht.

Skandinavisches Design – endlose Vielfalt. Design aus Dänemark, Island, Norwegen, Schweden, Finnland – sie alle kann man unter den Begriff skandinavisches Design subsumieren, und doch bestechen die von uns im Folgenden gezeigten Schmuckdesigner durch ihre Individualität und einzigartigen Kreationen.

Verbindendes Element scheint jedoch die beeindruckende und teils raue Natur des Nordens als Inspirationsquelle zu sein. Diese besondere Verbundenheit zur Natur spiegelt sich bei vielen der skandinavischen Designer in einer gesteigerten Achtsamkeit gegenüber deren limitierten Ressourcen und den bewussten Umgang mit diesen wider.

Lapponia

Die finnische Marke Lapponia wurde 1960 gegründet und feiert somit 2020 bereits ihr 60-jähriges Bestehen. Inspiration schöpfte die Marke stets aus der rauen Schönheit der nordischen Natur. Mit seinen skulpturalen Schmuckkreationen war Künstler und Bildhauer Björn Weckström zudem ein revolutionärer Geist in der konservativen Welt des Schmuckdesigns. Da das Markenjubiläum mit Weckströms 85. Geburtstag zusammenfällt, lässt Lapponia zu diesem Anlass Kultstücke aus den vergangenen Jahrzehnten erneut aufleben.

Armband „Mukka“, 1978

Die so entstandene Vintage-Kollektion beeindruckt auch heute mit der Aktualität und gleichzeitigen Zeitlosigkeit der Stücke: „Dank Weckströms zeitloser Designsprache und erstaunlicher Produktivität haben wir eine enorme Zahl an Schmuck in unseren Archiven, der genauso frisch und aufregend wirkt wie Jahrzehnte zuvor. Die einzige und überaus erfreuliche Herausforderung ist, die beste Auswahl zu treffen“, so Designchefin Maria Uunila.

Der Ring „Novara Quadrato“ aus goldplattiertem Silber 925 funkelt mit bunten, gefassten Zirkonia.

Sif Jakobs

Sif Jakobs im Interview über ihre Marke Sif Jakobs Jewellery, ihre Inspirationsquellen und auf welche Neuheiten wir uns im kommenden Jahr freuen dürfen. 

Wie kam es zu der Entscheidung, Ihre eigene Marke zu gründen?

Als ich vor zehn Jahren mit Sif Jakobs Jewellery begann, wollte ich eine Marke kreieren mit einer klaren, starken Designidentität, die sich von dem unterschied, was damals auf dem Markt war.

Wie spiegeln sich Ihre nordischen Wurzeln in Ihren Schmuckkreationen wider?

Der Minimalismus und die Eleganz, die fest im nordischen Designkulturerbe verwurzelt sind, kommen in all meinen Entwürfen zum Tragen. Ich mag es, wenn der Stil klar und elegant ist, aber auch manchmal mutig und auffallend.

Wo holen Sie sich Ihre Inspiration?

Meine Inspiration bekomme ich auf Reisen und vor allem von Menschen, die ich auf der Straße treffe oder sehe. Ich stelle mir vor, dass sie meinen Schmuck tragen, wie sie ihn tragen würden, wann sie ihn tragen würden oder warum sie ihn nicht tragen würden, und wenn sie nicht der offensichtliche SJJ-Typ sind, frage ich mich, was es designmäßig erfordern würde, damit sie ihn tragen. Es ist ein lustiges kleines Gedankenexperiment, mit dem ich mich selbst herausfordere.

Haben Sie ein Vorbild?

Coco Chanel war schon immer eine Frau, die ich bewundere, und ich sehe sie als Vorbild, da sie eine selbstbewusste Frau war, die an sich glaubte. Sie war stark und doch so rein und ging ihre eigenen Wege. Sie war eine große Botschafterin für das weibliche Geschlecht. Vielleicht die erste echte, visionäre Powerfrau und eine großartige Stilikone.

Welche Schmuckstücke sind derzeit bei Ihren Kunden am beliebtesten?

Definitiv unsere farbigen Stücke. Wir haben vor einem Jahr begonnen, regenbogenfarbene Artikel einzuführen, und von da an ist ihre Popularität explodiert.

Was ist Ihr Lieblingsschmuckstück und warum?

Mein graviertes Armband mit dem Namen meines Sohnes Sixten. Wir haben vor kurzem eine gravierbare Kollektion herausgebracht. Dass man sein Schmuckstück wirklich einzigartig gestalten kann, ist so besonders.

Welche Pläne haben Sie im nächsten Jahr?
Im nächsten Jahr werden wir unser 10. Jubiläum mit verschiedenen neuen Initiativen feiern. Wir werden uns auf die Entwicklung der gravierbaren Kollektion konzentrieren, da dies etwas ist, was unsere Kunden sehr schätzen. Außerdem bringen wir bald eine brandneue Kollektion mit mehr Symbolik und Bedeutung auf den Markt.

Ole Lynnggard

Bereits seit ihrer Kindheit hegt Schmuckdesignerin Charlotte Lynggaard eine Begeisterung für Spitzenmuster und Lochstickereien. Sie kam schließlich auf die Idee, diese auf Schmuck zu übertragen. So entstand nach einigen Jahren der Tüftelei schließlich die Kollektion „Lace“: „Lace ist für mich ein moderner Klassiker – romantisch und robust. Jedes Stück der Kollektion ist mit einer Stärke erschaffen, von der man beim ersten Anblick weiß, dass sie für den Rest des Lebens halten wird“, sagt Charlotte Lynggaard. Im Herbst 2019 wurde die Kollektion, die bereits seit 2003 besteht, mit neuen Modellen neu aufgelegt, wobei jedes der Stücke aus 18-karätigem Gelb- oder Weißgold an zarte Spitze erinnert.

Organisch geformte Tropfenohrringe drücken unkonventionellen Luxus aus.

Das Design „Fusion“ von Nina Koppel wurde erstmals im Jahr 2000 präsentiert.

Georg Jensen

Das fließende Ringdesign „Fusion“ gilt längst als ein Klassiker von Georg Jensen und feiert 2020 bereits sein 20. Jubiläum. Zu diesem Anlass wird es eine neue Kollektion „Fusion“ geben, die das ursprüngliche Designkonzept der ineinandergreifenden Ringe von Nina Koppel auf Armreifen, Anhänger und Ohrringe überträgt. Die nahtlos zu kombinierenden Schmuckstücke aus 18 Karat Gold gibt es teilweise oder vollständig besetzt mit Diamanten. Das Design ist so konzipiert, dass die Schmuckstücke für einen dezenten oder mutigeren Ausdruck zusammengestellt und als Sets gesammelt werden können.

Jedes Stück der Kollektion ist mit einem Diamanten besetzt, der als Symbol für die Kraft, die in allen Frauen steckt, steht.

Spirit Icons

Die sympathischen Gründer der dänischen Marke Spirit Icons, Tim und Daniel Christensen, nehmen sich mit ihrer neuen Kollektion „She“ einem Thema an, das beiden sehr am Herzen liegt. Seit diesem Jahr unterstützt Spirit Icons die Danner-Organisation. Eine private Einrichtung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, psychischer und physischer Gewalt gegen Frauen und Kinder ein Ende zu setzen.

Die Kollektion mit dem Weiblichkeitssymbol im Zentrum, die darauf ausgerichtet ist, die Kraft und Stärke der Frau hervorzuheben und symbolisch für respektvollen Umgang steht, ist in vier Farben erhältlich: Silber, vergoldet, schwarz rhodiniert und rosévergoldet. 10 % des Verkaufspreises werden an die Danner-Organisation gespendet, die im vergangenen Jahr 69 Frauen und 56 Kindern in ihrem Zentrum einen Zufluchtsort bieten konnte.

Pandora

Millie Bobby Brown, der Jungstar aus der Serie „Stranger Things“, ist das Gesicht der neuen „Me“-Kollektion von Pandora. Die Kollektion mit Mikro-Charms, einzelnen Ohrsteckern, Pins oder Armbändern soll Kreativität wecken und dazu einladen, seinen eigenen Look zu kreieren. Dabei spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle, das junge Generationen immer mehr bewegt. Verwendet werden recyceltes Sterling-Silber und Schmucksteine aus nachhaltigen Quellen.

Schmuckstücke aus der „Butterfly“-Kollektion

Armband aus der „Golden Nightfall“-Kollektion

Trollbeads

Die dänische Marke Trollbeads ist bekannt für ihre Armbänder mit verschiedenfarbigen „Glasbeads“. So bringt die neue Kollektion „Golden Nightfalls“, die von der Natur und im Wind tanzenden Herbstblättern inspiriert ist, zwölf neue Beads. Zum Einsatz kommen hierfür fünf neue Edelsteine: Granat, schwarzer Onyx, roter Onyx, Amethyst und Tigerauge.

Trem Sthlm

Nachhaltigkeit, Gleichheit und gerechte Arbeitsbedingungen, diese drei Elemente stehen für Carl-David Hagerbonn, den Gründer der schwedischen Marke Treem – The True and Elegant Movement, im Vordergrund. Dabei zielt die Marke darauf ab, einen positiven Unterschied sowohl für den Träger als auch für die ganze Welt zu schaffen. Diese Willenskraft und Entschlossenheit versucht die Marke in ihrer Designsprache „Raw Elegance“ hervorzubringen.

Der Ausdruck „Raw Elegance“ wird auch von der nordischen Natur inspiriert.

Jedes der Schmuckstücke erzählt seine ganz eigene Geschichte.

SEB

Hinter der Marke SEB Jewellery steckt die aus Island stammende gelernte Goldschmiedin Edda Bergsteinsdóttir. Die Schmuckdesignerin spielt mit geometrischen Formen, die skandinavische Schlichtheit und architektonische Einflüsse widerspiegeln. Die Faszination, komplexe Strukturen und Muster zu vereinfachen, sieht man ihren Schmuckstücken dabei stets an.

Viilu

Das in Finnland lebende deutsch-finnische Designerpaar Susanna und Tobias Feuerbacher gründete 2017 seine Marke Viilu – finnisch für „Furnier“ und stellt Schmuck und kleine Dekoprodukte her. Goldschmiedin Susanna und Tischler/Produktgestalter Tobias Feuerbacher haben sich in ihren Designs ganz dem Thema Holz verschrieben: „Holz ist ein inspirierendes Material. Jedes Stück Holz ist einzigartig und hat seine Geschichte zu erzählen.“ Wichtig ist dem Designduo auch das Thema Nachhaltigkeit, so kommen europäische Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft und recyceltes Silber zum Einsatz, und bei der Verpackung wird auf Plastik verzichtet

Traditionelle und innovative Holzverarbeitung und Goldschmiedekunst.

Björn Weckström / Ausführung Lapponia Ring „Petrified Lake“, 1971, Silber und Acryl, Privatbesitz, Berlin

Nordic Design

Zum Ausklang des 100-Jahre-Bauhaus-Jubiläums nimmt das Bröhan-Museum in Berlin vom 24. Oktober 2019 bis zum 1. März 2020 mit der Ausstellung „Nordic Design – Die Antwort aufs Bauhaus“ die Reaktion der nordischen Länder auf den deutschen Funktionalismus in den Blick. Präsentiert wird der skandinavische Weg der Moderne, der sich in einer starken Auseinandersetzung mit den Ideen des Bauhauses vollzog. Beginnend mit dem finnischen Architekten und Designer Alvar Aalto über den Vater des schwedischen Funktionalismus, Sven Markelius, bis zu den international gefeierten dänischen Designern Hans J. Wegner und Arne Jacobsen liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf den 1950er und 1960er Jahren

House of Norway

Vom 11. Oktober bis zum 26. Januar 2020 widmet sich das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main unter dem Titel „House of Norway“ gänzlich Norwegens Kunst und Kultur, Design, Handwerk und Architektur. Ein Highlight der Schau sind sicherlich die noch nie gezeigten grafischen Arbeiten von Edvard Munch. Doch auch zeitgenössischen Künstlern wird ausreichend Platz eingeräumt, und ein Gastspiel des Sámi National Theatre Beaivváš (Sámi=„Sumpfleute“, Selbstbezeichnung eines indigenen Volkes, das sich über die Landesgrenzen hinweg über ganz Skandinavien und Russland verteilt) verspricht Spannung.

TONE VIGELAND Halsschmuck, 1995 © Hans-Jørgen Abel © Galleri Riis / Tone Vigeland / VG-Bildkunst, Bonn 2019

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