Vereint in Vielfalt

9. Februar 2017  
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Drei unterschiedliche Länder, unzählige verschiedene Ansätze zum Thema Schmuckdesign – die Benelux-Region versammelt spannende Schmuckhersteller, die mit Innovativen und gleichsam gewagten Kreationen auf sich aufmerksam machen. Hier entstehen Trends, die auch international begeistern. 

Die Niederlande, Belgien und Luxemburg bilden zusammen die Benelux-Union. Im Niederländischen wird die Region auch als „de Lage Landen“ bezeichnet, in Großbritannien spricht man von den „Low Countries“. Die Benelux-Staaten sind maßgeblich von der rauen Nordsee im Nordwesten und dem Rhein-Maas-Delta-Gebiet geprägt und auch kulturell-historisch sind die Länder eng miteinander verbunden. Die Schmuckkreationen der hier ansässigen Designer könnten aber unterschiedlicher nicht sein – mal verspielt und kunterbunt, mal geradlinig und zeitlos und mal gewagt und raffiniert. Kein Wunder also, dass man den neuen Kollektionen der Hersteller aus Benelux viel Beachtung schenkt. Denn eines steht fest: Höchste Ansprüche an Qualität, makellose Handwerkskunst und der Mut zur Lücke beeindrucken Schmuckliebhaber auf der ganzen Welt.

Insignety – Niederlande

Schmuck mit Seele – diese können Kunden von INSIGNETY ihren Schmuckstücken ganz persönlich einhauchen. Der Hersteller hat sich auf Ringe spezialisiert und bietet dafür eine End-to-End-Instore-Lösung an: Mit Unterstützung eines Juweliers kann der Kunde direkt im Geschäft mittels modernster, eigenentwickelter Design-Software seine individuellen Ringe entwerfen und so seine kostbarsten Momente im Leben zu einem dauerhaften Andenken machen. Neben der Materialauswahl stehen nahezu unbegrenzt viele Gestaltungsmöglichkeiten offen, alle Schmuckstücke können zusätzlich mit weiteren Designelementen versehen werden, zum Beispiel mit einem Fingerabdruck. „Personalisierung ist der neue Standard“, weiß INSIGNETY-Gründer Mark Bos und wendet sich damit sowohl an Händler als auch an deren Kunden. 

Ein Fingerabdruck dauerhaft verewigt – INSIGNETY geht raffinierte Wege im Schmuckdesign.

 

Bigli – Belgien 

Ein zentrales Thema in den Schmuckstücken von Bigli ist Farbe. Von A wie Azurblau bis Z wie Zitronengelb – die Palette an bunten Kreationen des belgischen Herstellers ist nahezu unerschöpflich. Dabei legt man aber nicht nur auf farbenfrohe, sondern auch auf kombinierbare Designs viel Wert. So entstehen aufregende Kollektionen wie „Cocktail“ oder „Mini Sweety“, die sich je nach Stimmung und Belieben zu neuen Einheiten zusammenfügen lassen. Im Zusammenspiel mit kostbaren Diamanten und strahlendem Gold ergeben Schmuckstücke von Bigli ein stimmungsvolles Kaleidoskop, das sich an den individuellen Look ihrer Trägerinnen anpasst. Die kreativen Köpfe hinter Bigli sind Thierry Spitaels und Laurence Aerens. Sie gründeten die Marke Ende der 1990er Jahre und feiern 2017 das 20-Jahr-Jubiläum.

Im Interview: Laurence Aerens, Designer und Begründer von Bigli

Bigli ist ein bekannter Vertreter belgischen Schmuckdesigns. Wie würden Sie belgischen Schmuck aus Ihrer Sicht beschreiben?
Ich glaube nicht, dass man belgischen Schmuck unter einem Stil zusammenfassen kann. Wir sind ein kleines Land, das in der Geschichte von vielen Sprachen und anderen Ländern geprägt worden ist. Für mich scheint es, dass die Menschen aus Belgien ihr eigenes Ding durchziehen und sich nicht so viel darum kümmern, ob dieser Stil nun gewissen Kriterien entspricht. Als wir mit Bigli vor zwanzig Jahren begannen, nannte die Presse das die perfekte Verschmelzung der Frivolität des Südens mit dem eher architektonischen Stil des Nordens.

Inwieweit ist Ihre Marke mit Belgien verbunden?
Wir fühlen uns sehr frei in dem, was wir mögen. In der Zwischenzeit behalten wir aber unsere Liebe für perfekte Qualität, Einfachheit und – das ist am wichtigsten – Dinge, die Bestand haben. Schmuck, den man an die nächste Generation weitergibt. Ein Schmuckstück ist nämlich nicht nur ein Modeaccessoire, sondern auch ein Talisman. Es wird mit Bedeutung aufgeladen, und genau das ist es, was einen glücklich macht.

Wenn man Belgien als einen wachsenden Wirtschaftsstandort für die Schmuckindustrie betrachtet: Warum wird dieser immer attraktiver, und was sind die Herausforderungen für (neue) Schmuckmarken?
Jeder sollte seine eigene Identität bewahren und wissen, wofür er steht. Es herrscht ein großer Wettbewerb, aber wenn man gut ist und der Schmuck sich über die Zeit hinaus bewährt, dann wird man wertgeschätzt. 

 

Annick Mersch – Luxemburg

Ihre Schmuckwerkstatt befindet sich in Luxemburg. Können Sie ein wenig über die dort ansässige Schmuckszene berichten?
Die Schmuckszene in Luxemburg ist klein, aber fein, und weiter am wachsen. Man findet natürlich wie überall die gängigen großen Schmuckmarken, aber auch gute Goldschmiede, welche hauptsächlich ihre Kreationen verkaufen. Besonders in den letzten zwei Jahren ist mir aufgefallen, dass ein paar neue, junge Goldschmiede den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben. Das finde ich sehr gut und es bringt frischen Wind. Ich hoffe, dass sie finanziell durchhalten – das ist in Luxemburg nämlich ganz schwierig, weil das Leben schrecklich teuer ist. Es ist nicht leicht, hier Fuß zu fassen. Es gibt keine Starthilfen, die ersten Jahre muss man durchhalten können, und im dritten Jahr geben die meisten auf, weil das Geld einfach hinten und vorn nicht reicht, um die enormen Luxemburger Mietkosten für Laden und Privatwohnung zu tragen. Leider zerstört dieser Trend die Zukunft des Luxemburger Kunsthandwerks und die kleinen individuellen Labels.

Sie entwerfen alle Ihre Schmuckstücke vor Ort und in Handarbeit. Worauf kommt es hier an, und was macht gutes Schmuckdesign für Sie aus?
Für mich ist wichtig, dass ein Schmuckstück gut gebaut ist, dass es nicht nach ein bis zwei Jahren des Tragens auseinanderfällt. Qualität, Vertrauen und Zuverlässigkeit sind die wichtigsten drei Merkmale. Gutes Schmuck-design heißt für mich, dass der Schmuck dem Träger individuell angepasst ist. Jeder Mensch ist anders, ich habe noch nie zwei identische Schmuckstücke gemacht und an unterschiedliche Personen verkauft. Der Schmuck muss sich dem Träger anpassen, sie müssen miteinander harmonieren.

Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Deutschland. Wie nehmen Sie Ihren Nachbarn in Hinblick auf Schmuckdesign wahr? Was wird in Luxemburg anders gemacht?
Ich glaube, das deutsche Schmuckdesign unterscheidet sich nicht sehr viel vom luxemburgischen. Weil es hier keine Schulen gibt, um den Beruf zu erlernen, gehen wir nach Deutschland oder Belgien. Die belgischen Schulen sind sehr klassisch und es geht hauptsächlich um die Techniken. Die deutschen Schulen verbinden mehr das Technische mit dem Gestalterischen. Ich behaupte jetzt einmal, dass es alleine in Trier fast mehr Schmuckmacher gibt als in ganz Luxemburg. Weil das Land klein ist, kennt man hier seine Konkurrenz ganz gut, aber ich muss sagen, dass wir alle ganz unterschiedliche Designs, Schwerpunkte und handwerkliche Handschriften haben. Das finde ich sehr interessant, und eigentlich sehe ich niemanden als Konkurrenten, jeder macht seines und die Kunden vermischen sich zwischen uns. 

Wie entsteht ein Schmuckstück bei Ihnen, und woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Meistens entsteht das Schmuckstück während dem Kundengespräch. Wir blättern gemeinsam meinen Katalog durch, mit den Bildern von fast all meinen Kreationen, und dann kristallisieren sich die Vorlieben heraus. So entsteht ein neuer Entwurf passend zur Person. Wenn ich Steine einkaufe, sehe ich oft schon das fertige Schmuckstück vor mir. Ich weiss auch nicht so richtig, wo das dann herkommt. Es ist wohl einfach meine Berufung, Schmuck zu machen. Ansonsten versuche ich, mich auch einmal hinzusetzen und wie im Studium aus einem Thema heraus auf neue Formen, Materialien und Texturen zu kommen, allerdings fehlt dazu meistens die Zeit. 

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