„Schmuck ist für mich eine Art Talisman“

5. Februar 2016  
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Marion Knorr im Interview mit Chefredakteurin Petra Bäuerle

Schmuck als Teil seiner selbst begreifen: Ist Ihre Philosophie über die Jahre hin die gleiche geblieben?

Ja! Denn Schmuck ist ein Begleiter des Menschen und hat immer auch etwas mit der Persönlichkeit des / der Träges / Trägerin zu tun. Er unterstreicht die Schönheit, das Individuelle der Person und ist Bestandteil der Ausstrahlung. Wer trägt, was ihm gefällt, trägt diese Selbstsicherheit unbewusst auch nach außen, genauso wie man geschenkten Schmuck mit all dem Stolz und der Liebe trägt, die man für den Schenkenden empfindet.

 

Welche Botschaften können Schmuckstücke vermitteln und auf welche Art tun sie es?

Schmuck ist für mich eine Art Talisman. Dieser kann beschützend wirken oder auch bestärkend. Gerade im Trauringbereich ist diese Botschaft sehr wichtig, da der Ring das Symbol für die Liebe zweier Menschen ist und Ausdruck ihrer ganz persönlichen Liebesgeschichte. Auch wenn Schmuckstücke verschenkt werden, ist das mit einer unausgesprochenen Botschaft verbunden: Du bist es mir wert, du hast es verdient, du bist mir wichtig. Und wenn man sich Schmuck selbst kauft, kann dies aus einem Belohnungsgedanken heraus geschehen, oder das Schmuckstück ist für einen bestimmten Anlass gedacht. In allen Fällen aber bleibt dem Träger die Erinnerung beim Tragen des Schmuckstücks, wie und aus welchem Grund er in dessen Besitz gelangt ist.

 

Ihre Kollektionen umfassen die Bereiche Trauringe, Sets, Solitaire-Ringe, Memoireringe, Ketten, Ohrschmuck und Schmuckringe. Was an den verschiedenen Stücken und Modellen ist typisch Marion Knorr? Was ist die „CI“ in den unterschiedlichen Designs und Kollektionen?

Allen Schmuckstücken gemein ist die Botschaft, die durch sie vermittelt wird: Entweder ist z. B. mit einem Trauring auch eine Philosophie verbunden oder das Schmuckstück trägt ganz geheim Buchstabenpunzierungen, die einen Text ergeben. Ich kreiere Schmuck, der Geschichten erzählt, ganz individuell, immer wieder neu.

 

Mögen Sie immer alle Stücke „gleich gern“? oder gibt es „Lieblingskinder“?

Ich stehe hinter allen Entwürfen, die ich entwickle, das sind alles meine Kinder und ich habe sie gleich gern. Aber Schmuck hat auch immer etwas mit der Persönlichkeit des Trägers zu tun. Deshalb ist es meine Aufgabe, als Designerin Schmuckstücke für viele verschiedene Persönlichkeiten zu entwickeln und mich eben nicht von meinem persönlichen Geschmack leiten zu lassen. Persönlich trage ich nicht alle Schmuckstücke aus meinen Kollektionen, da nicht alle zu mir passen. Mein täglicher Begleiter ist gerade der Ring „Kobra“ aus der Kollektion für 2016, die auf der Inhorgenta im Februar vorgestellt wird. Er ist sehr präsent am Finger, aber auch herrlich bequem zu tragen – das ist mir immer am wichtigsten.

 

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Wann sind sie mit einem Entwurf / einem Schmuckstück zufrieden?

Wenn es optisch den „habenwollen“-Faktor hat, die Ergonomie stimmt (denn nichts ist schlimmer als ein unbequemes Schmuckstück), wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt (darf man nicht aus dem Auge verlieren), wenn der Brillant z. B. bei einem Solitaire-Ring optimal in Szene gesetzt ist … Kurz: Wenn das Schmuckstück das Zeug zum Lieblingsstück hat!

 

Was steht am Beginn eines neuen Schmuckstücks? Das Erarbeiten einer Idee? Eine spontane Idee? Der Zufall?

Ich lasse mich gerne von Musik oder Literatur inspirieren. Ich höre ein Lied im Radio und der Text berührt mich, dann mache ich mir eine Notiz oder ich habe spontan schon eine Idee der optischen Umsetzung.

 

Wie lange wird an einem Schmuckstück gearbeitet?

Das ist sehr unterschiedlich und kommt auf die verwendete Technik an. Wir benötigen im Normalfall zur Bearbeitung eines Auftrags zwei Wochen bis zur Fertigstellung. Das ist natürlich nicht die reine Herstellungszeit, aber da oft mehrere kleine Schritte notwendig sind und wir mit einem Netzwerk aus freien Mitarbeitern und Zulieferern zusammenarbeiten, trägt jeder ein bisschen zum Gelingen eines Schmuckstücks bei.

 

Kann man die Handarbeit sehen oder spüren?

Ja, die Handarbeit ist bei vielen Modellen sichtbar und zwar absichtlich – ich nenne das gerne „perfekt unperfekt“. Z. B. bei unserem Trauringmodell „wellenbrecher“ wird die Felsstruktur durch eine nicht nachbearbeitete Feilstruktur dargestellt – das ist Handarbeit pur.

 

Wie viele Personen arbeiten in Ihrem Atelier?

Im Atelier sind wir nur drei Personen, quasi der Kern. Darüber hinaus arbeiten wir in einem Netzwerk mit freien Mitarbeitern, Goldschmieden und Fassern zusammen.

 

Wie arbeiten Sie am liebsten? Gibt es bestimmte „Rituale“ bei der Arbeit?

Die besten Ideen kommen mir beim Autofahren, beim Arbeiten am Goldschmiedebrett höre ich am liebsten (laut) Musik. Ich liebe mein Atelier in einem historischen Gebäude unweit des Schlosses in Ludwigsburg und das einzige Ritual ist eigentlich der mittägliche Spaziergang durch den angrenzenden Schlosspark.

 

Sie ordnen Ihren Schmuckstücken gerne poetische Texte zu (Beispiele): Stammen diese alle von Ihnen selbst? Entstehen diese vor dem Schmuckstück, mit dem Schmuckstück oder nach Vollendung des Schmuckstücks?

Die Texte entstehen immer erst nachdem das Schmuckstück fertig ist. Am Anfang steht zwar oft die Idee / Philosophie schon fest, aber erst wenn das fertige Stück vor einem liegt, wird auch der Text dafür ausformuliert. Oft fallen mir auch die richtigen Worte dazu ein, in den meisten Fällen hole ich mir aber dennoch professionelle Hilfe an die Seite.

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Warum gibt es diese Texte, was bedeuten sie für Sie?

Ohne den Text ist Schmuck zwar schön, aber eben nur schöner Schmuck. Durch den Text wird das Schmuckstück auf eine andere Höhe gehoben, wird zum Botschafter, erzählt eine Geschichte. Durch diesen Text hat der Träger auch ein anderes emotionales Verhältnis zu seinem Schmuckstück.

 

Ihren Schmuck gibt es nicht nur in Deutschland zu kaufen. Gibt es bestimmte Vorlieben in bestimmten Regionen?

Das sollte man meinen, ist aber nicht unbedingt so. Natürlich verkaufen wir in Länder wie England oder Amerika vorwiegend den Solitairering als Antragsring / Trauring. Doch auch hier wächst das Interesse an der bei uns so beliebten Kombination zweier ähnlicher Ringe zur Hochzeit, genauso wie bei uns das Interesse am Antragsring stetig zunimmt.