Pastell hat Potenzial

5. Februar 2016  
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Brigitte_AdolphAls Heilstein stets ein Dauerbrenner, lag der Rosenquarz im Mode- und Luxusschmucksegment lange Zeit im Dornröschenschlaf. Jetzt hat das Unternehmen Pantone die Farben des Jahres ausgezeichnet – „Rose Quartz“ und „Serenity“ – und damit einen regelrechten Pastell-Hype ausgelöst.

 

Seit 2012 gibt das Farbinstitut Pantone alljährlich die „Color of the Year“ bekannt: Tangerine Tango, Emerald, Radiant Orchid und Marsala hießen die bisherigen Trendfarben. Dieses Jahr soll ein Duo den Trend angeben: babyblaues Serenity und puderrosa Rose Quartz. Ein Glücksfall für den gleichnamigen Farbedelstein, denn in den vergangenen Jahren sah man den Rosenquarz, auch Rosaquarz genannt, eher selten – und wenn, dann vor allem im Trendschmuckbereich. Psychologisch entspreche die Farbe unserer Sehnsucht nach Ruhe und Sicherheit, heißt es in der Erklärung von Pantone über ihre Wahl, während Frauenzeitschriften jubeln: „Der mädchenhafteste aller Töne hat es geschafft: Rosa!“ Und da der weiche Farbton jeder Hautfarbe schmeichelt, ist die Wahl ganz besonders für die Schmuckbranche eine wunderbare Nachricht.Al_Coro

Mit einer Härte von sieben sei der Rosenquarz relativ hart und daher auch recht unempfindlich, erklärt Stefanie Engel von Engel & Co.: „Er lässt sich gut reinigen und saugt nur wenig bis kein Hautfett, Kosmetika etc. auf.“ Damit ist der Rosenquarz als Schmuckstein für den Alltag bestens geeignet. Wie der Name schon sagt, gehört er zur Familie der Quarze, damit ist er beispielsweise mit dem Amethyst, dem Citrin und dem Rauchquarz verwandt. Oder mit dem Bergkristall, einem farblosen Quarz. „Der Rosaquarz erhält seine zartrosa Farbe durch Spurenelemente im Quarz“, so Gemmologin Nicole Ripp von Groh + Ripp. „Es gibt feine, einschlussfreie Steine, aber auch ein milchiger, transluzenter Rosaquarz ist wunderschön. Transluzente Rosaquarze werden meistens als Cabochon geschliffen, während klare Steine eher facettiert werden.“

 

Glanz_GloriaFacettiert geschliffene Steine sind meist preisintensiver als Cabochons. Dennoch ist der Rosenquarz noch immer ein vergleichsweise günstiger Edelstein, auch in Schmucksteinqualität. „Aber auch hier gilt, der Rohstoff verknappt sich künftig“, sagt Nicole Ripp. Ob facettiert oder als Cabochon, beide Varianten haben ihren eigenen Reiz, der durch den einen zarten, seidigen Schimmer noch betont wird – eine Besonderheit, die fast alle Rosenquarze auszeichnet.
Neben dem Fehlen von Einschlüssen ist die Farbe das wichtigste Einkaufskriterium, betont Charlotte Lynggaard, Chefdesignerin von Ole Lynggaard Copenhagen: „Seine Farbe muss zu mir sprechen – das bedeutet für mich, nicht zu rosa und nicht zu milchig, sondern genau dazwischen.“ Beispielsweise in der „Lotus“-Kollektion der dänischen Schmuckmarke kommen beeindruckend große Rosenquarz-Cabochons zum Einsatz. Diese Steine stammen von Abbaugebieten auf der ganzen Welt, insbesondere aus Brasilien. „Die schönsten Rosenquarze kommen unseres Erachtens nach aus Brasilien“, erklärt auch Edelsteinexpertin Stefanie Engel. Die Farben variieren je nach Herkunftsland stark: „Die brasilianischen Rosenquarze haben eine sehr hohe Transparenz und sind klar und frisch in der Farbe. Die afrikanischen Rosenquarze sind eher milchig und das Rosa ist nicht ganz so leuchtend. Aus Madagaskar kommen Rosenquarze von dunklerem Rosa, das an Turmalin erinnert.“

Der Rosenquarz lässt sich gut mit anderen Steinen kombinieren, sagt Stefanie Engel: „Er ist durch seine Farbe unaufdringlich. Wer zarte Farben liebt, wird ihn sicherlich mögen. Faszinierend wird der Rosenquarz, wenn er einen Stern-Effekt zeigt.“ Dieser Asterismus tritt allerdings nur im Cabochonschliff auf, und auch nur dann, wenn im Inneren des Steins feinste Eisen-Rutil-Nadeln vorhanden sind – so gibt der Rosenquarz als Solostar am Schmuckstück eine besonders strahlende Figur ab.