Mystik mit Sternen

3. November 2015  
Gelistet unter: Edelsteinforum

SternsteineEin Geschenk der Natur, das wunderbar zur Weihnachtszeit passt: Steine mit sogenanntem Asterismus leuchten im Licht wie ein Stern. Raritäten für Sammler und Schmuckliebhaber.

Sternsteine sind eine Seltenheit voller Magie! Ihre geheimnisvolle Zeichnung, ihre Rarität, ihre besondere Ästhetik machen sie zu erlesenen Einzelgängern in der Welt der Edelsteine. Gemmologen nennen das Phänomen Asterismus, hergeleitet vom griechischen Wort „aster“ für Stern. Und natürlich besitzen die mystischen Steine eine lange Geschichte.  Martin P. Steinbach, graduierter Gemmologe, Diamantgutachter und Spezialist für Sternsteine, erzählt: „Der erste Gelehrte, der Asterien beschrieb, war Dionysius Periegetes um das Jahr 19 v. Chr. Er erwähnte, dass „sich der schöne Stein Asterius, der wie ein Stern glänzt, in dem Gebirge Pallenes findet“. Steinbach hat die Geschichte und Geschichten u. a. in seinem neuen Buch „Asterism – Gems with a star“ aufgeschrieben (siehe nächste Seite). Die Hindus, so berichtet er, sahen im Sternrubin eine himmlische Manifestation des Gottes Krishna und verehrten den Stein als Glücksbringer. Auch der Sternsaphir wurde oft als Talisman getragen und soll vor dem bösen Blick und vor Hexerei schützen. Damit wurden bereits die beiden „Spielarten“ der Sternsteine genannt, die zu den wertvollsten unter den Raritäten gehören: die roten Sternrubine und die blauen Sternsaphire. „Kommerziell gesehen am wertvollsten sind feine, rote Sternrubine über 10 Karat und feine blaue Sternsaphire über 20 Karat.“ Laut dem Experten sind außerdem blauer Sternkyanit und Sternmondstein im Avantgardebereich begehrt, Sammler schätzen extreme Seltenheiten wie Sternsmaragd oder Sternrhodochrosit.

Armreif_Annick_SchmuckdesignNatürlich stellt sich dem Betrachter eines Steins mit Asterismus zuerst die Frage: Wo kommt der Stern denn her? Martin P. Steinbach erläutert: „Die besondere Sternzeichnung entsteht durch nach der jeweiligen Kristallsymmetrie des Steins eingelagerte Einschlüsse, meistens sind es Rutilnadeln. Wenn ein Punktlicht oder die Sonne senkrecht zur Oberfläche strahlt und von den orientiert eingelagerten Nadeln reflektiert wird, leuchtet der Stern auf.“ Die meisten Edelsteine zeigen einen vier- oder sechsstrahligen Stern, aber auch 12-, 18- und 24-strahlige Sterne sind möglich. Doppelsterne, Mehrfachsterne oder in extrem seltenen Fällen sogar ein ganzes „Netzwerk“ an Sternen scheint Mutter Natur vom Himmel zu holen.

Das Phänomen wird nur bei Steinen im Cabochonschliff sichtbar, deshalb kennt man Sternsteine in diesem gewölbten Glattschliff. Natürlich sieht man nicht jedem Rohstein gleich an, dass sich ein Stern im Inneren verbirgt – manchmal gibt ein gewisser Schimmer, ein seidiger Glanz auf der Oberfläche, den Hinweis. Um das Geheimnis im Inneren zum Leuchten zu bringen, muss der Stein beim Schleifen richtig orientiert sein – hier ist die Kunst des Fachmanns gefragt!

Wie auch bei der schwierigen Unterscheidung: Was ist echt und was ist falsch? Martin P. Steinbach meint: „Da braucht es nicht nur die Fachausbildung, sondern auch viel Fachpraxis, da es mittlerweile sehr viele verschiedene Synthesen, Imitationen und sonstige Manipulationen gibt. Das kann nur ein graduierter Gemmologe oder ein zuverlässiges Labor differenzieren.“ Synthesen mit Stern, so erläutert Steinbach, werden schon seit ca. 1947 im Schmelz-Tropfverfahren (nach dem französischen Chemiker A. V. Verneuil) hergestellt und imitieren echte Sternkorunde unter anderen in den Farben Rot und Blau zu einem Bruchteil des Echtsteinpreises. „Viel gefährlicher sind heutzutage diffusionsbehandelte blaue Sternsaphire aus Thailand und glasgefüllte rote Sternrubine zum Beispiel aus Indien.“