Must-sees – Porträts aus Estnischem Kunstmuseum Tallinn im Schmuckmuseum Pforzheim

3. Juli 2017  
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Im Rahmen der Ausstellung „Must-sees – Schmuck in der Kunst“ sind nahezu 20 Porträts aus dem Estnischen Kunstmuseum in Tallinn im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen, darunter eines von Franz Xaver Winterhalter. Es ist das erste Mal, dass diese in Deutschland gezeigt werden. Die Ausstellung ist noch bis 10. September dieses Jahres zu sehen.

Wie es zu dieser Kooperation kam, erläutert Kersti Kuldna, die Leiterin des dortigen Sammlungs-Managements: 

Kersti Kuldna: Die Auswahl der Exponate haben im wesentlichen Martina Eberspächer und Cornelie Holzach, die beiden Kuratorinnen der Ausstellung in Pforzheim, getroffen. Sie haben 2016 unsere Ausstellung »Poetry and Spleen. The Victorian Female Image and Fashion from Alexandre Vassilievs Collection« gesehen, in der wir historische Kostüme und Accessoires aus dem 19. Jahrhundert aus einer Privatsammlung zusammen mit Gemälden aus unserer Sammlung gezeigt haben. Auf ihnen war zu sehen, wie Kostüme und Schmuck getragen wurden. Im Gespräch mit Martina Eberspächer und Cornelie Holzach entstand die Idee, Gemälde aus unserer Sammlung — Porträts, auf denen die Menschen Schmuck tragen — auch in »Must-sees« zu zeigen. Die Auswahl haben sie auf Grundlage unserer auch online zugänglichen Sammlungsdatenbank getroffen. Wichtig war ihnen, Originale zu wählen, keine Repliken. Leider konnten wir nicht alle ausgewählten Stücke zur Verfügung stellen, da einige in unserer permanenten Sammlung präsentiert werden und andere bereits ausgeliehen waren.

Sind die Arbeiten zuvor bereits in Europa oder Deutschlang zu sehen gewesen?

Die Exponate wurden in unterschiedlichen Ausstellungen in Estland gezeigt, aber, soweit wir es wissen, noch nicht außerhalb des Landes.

Ist Schmuck ein Thema in Ihrer ständigen Sammlung?

Die Sammlung des Estnischen Kunstmuseums fokussiert Malerei, Druck und Skulptur. Es gibt in Tallinn ein weiteres Museum, das Estnische Museum, das eine Abteilung für Schmuck hat und mit dem wir eng zusammenarbeiten bei Leihgaben und auch für Ausstellungen.

Was ist besonders an den Arbeiten, die wir in der Ausstellung »Must-sees« zu sehen bekommen?

Die Gemälde, die aus unserer Sammlung zu dieser Ausstellung kommen, sind von deutsch-baltischen Malern des 19. Jahrhunderts und von estnischen Künstlern aus dem 20. Jahrhundert. Und sie stellen Deutsch-Baltinnen aus der noblen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts dar sowie das aufkeimende Modebewusstsein der estnischen Damen. Für das deutsche Publikum könnten diese Bilder als Beispiele dafür von Interesse sein, die zeigen, wie die europäische und deutsche Mode im Schmuckbereich unser Gebiet erreicht hat, das zu dieser Zeit eine Provinz des russischen Reiches war, aber historisch und kulturell durchaus von deutscher Kultur beeinflusst wurde.

Ist Schmuck ein weibliches Thema?

Es gibt auch einige Porträts von Männern, die Schmuck tragen in unserer Sammlung und unter den Leihgaben, daher ist die Antwort wohl eher nein!

Bildnis der Tochter des Botschafters / vermutlich Carolina von Stackelberg, 1863

Franz Xaver Winterhalter (Menzenschwand 1805 – 1873 Frankfurt am Main)
Öl auf Leinwand //  Tallinn, Estnisches Kunstmuseum

Franz Xaver Winterhalter war der Portraitmaler der Majestäten des 19. Jahrhunderts, der es so virtous verstand, Ideal und Lebensnähe in Einklang zu bringen. Das wenig bekannte Bildnis der jugendlichen Carolina von Stackelberg (1809–1863) malte Franz Xaver Winterhalter nach deren frühem Tod und im Auftrag ihrer Mutter. Das Gemälde entstand nach einem früheren Portrait und der »Erinnerung« wie Winterhalter 1863 in seinem Auftragsbuch festhielt.

In diesem Bildnis ist der Schmuck Programm: Das mit Diamanten und Perlen (?) ausgefasste Monogramm auf dem blauen Band ist nicht nur eine Dominante im Bild, es gibt auch den Hinweis auf eine wesentliche Lebenssituation der jungen Dame aus dem deutsch-baltischen Adel: Im Alter von siebzehn Jahren war sie zur Hofdame der Zarin Alexandra Fjodorowna, einer gebürtigen Prinzessin von Preußen, ernannt worden. Das »A« steht also für den Namen der Zarin.

Diese auch politische Bedeutung des Diamantmonogramms war wohl der Grund, warum es vermutlich bereits kurz nach der Entstehung des Gemäldes übermalt wurde. Entdeckt und freigelegt wurde das Monogramm im Rahmen eines Ausstellungsprojekts im Jahr 2015.

Das Auffälligste am Schmuck der Pianistin sind ihre zahlreichen Ringe am linken Ringfinger — sie könnten auf die Langgliedrigkeit ihrer Finger weisen, die sprichwörtlichen Pianistenhände.

Sophie Menter, 1907

Sally von Kügelgen (Tartu/dt. Dorpat (Estland) 1860 — 1928 Rom), Öl auf Leinwand // Tallinn, Estnisches Kunstmuseum (Kumu)

Sally von Kügelgen, die im Baltikum aufgewachsene und ab 1890 vor allem in Rom lebende Malerin, portraitiert die sehr erfolgreiche Pianistin Sophie Menter (1846–1918) mit einem selbstbewussten »Seht-mich-an-Blick«, der noch unterstrichen wird durch die Blicke aus vier weiteren Augen.