Gefühle und Kreativität

24. August 2016  
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Polen hat eine bewegte Geschichte hinter sich und vollzog einen beachtlichen Wandel. Das merkt man auch an der Schmuckkunst, die in unserem Nachbarland entsteht. Geprägt von innovativen Designs, Naturverbundenheit und der Kombination verschiedener Materialien, begeistert Schmuck aus Polen die ganze Welt. 

Kaum ein europäisches Land ist so vielfältig und landschaftlich interessant wie Polen. Gebirge, die von tiefen Klüften gezeichnet sind, malerische Seenlandschaften, unberührte Urwälder und nicht enden wollende Strände sind nur einige Highlights des Landes. Noch dazu ist Polen äußerst rohstoffreich und für seine Silber- und Bernsteinvorkommen bekannt. Beste Voraussetzungen also für die heimische Schmuckszene, die nicht nur Inspiration in der einzigartigen Natur findet, sondern auch mit den von ihr geschenkten Materialien arbeitet. Polnische Schmuckschaffende waren lange Zeit keinen Marktzwängen ausgesetzt, und auch heute orientiert man sich lieber an eigenen Ideen als an massentauglichen Standards. Das „Schmuck Magazin“ hat sich bei unserem Nachbarn an der Ostsee umgeschaut und ist auf spannende Designer gestoßen, die mit innovativen Schmuckkreationen und außergewöhnlichen Entwürfen die Welt erobern.

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Pionierin aus Polen                               

„Das Wesen des polnischen Schmucks ist schwer zu greifen. Es geht um das Gefühl und die ihm innewohnende Seele.“ Elzbieta Katarzyna Aniol gilt als eine der Pionierinnen der polnischen Schmuckszene in Deutschland. Seit 1989 verkauft sie aus Wuppertal hochwertigen Silberschmuck von führenden polnischen Designern, und zwar in die ganze Welt. Aniol hat auch die Zeiten des Kommunismus in ihrer Heimat miterlebt. Damals wurde Silber als leistbares Material auf zwei Kilogramm jährlich pro Designer limitiert. Aus der Not machte man eine Tugend und holte aus wenig viel heraus. „Der polnische Designerschmuck lebt in einer Nische. Er wird von Kennern geschätzt und weckt immer wieder neue Begeisterung. Man sollte sich hüten, daraus einen Massenartikel zu machen“, so Aniol. Sie verkauft Schmuck, der in Kleinserien hergestellt wird, an einen begrenzten, erlesenen Käuferkreis. Für die Zukunft hat Aniol große Erwartungen an die polnischen Designer: „Es wird weiter moderne, innovative und auffällige Designs geben.“

Im Interview: Marcin Zaremski

Polnische Designs sind mittlerweile sehr bekannt. Was ist der grund für den erfolg der letzten zeit?
Marcin Zaremski: Nach dem Zweiten Weltkrieg fingen Schmuckdesigner eher zufällig an, mit Silber zu arbeiten. Vor dem Krieg wurde Schmuck in Polen und in Europa nämlich üblicherweise aus Gold gefertigt. Auch meine Eltern Jadwiga und Jerzy Zaremski gehören zu den Vorreitern, die erfolgreich mit Silber zu arbeiten begannen. In den 1980er Jahren wuchs eine neue Designer-Genera-tion heran, die mit der Tradition ihrer Vorgänger aufgewachsen ist. Dazu zähle auch ich.

Was sind die wichtigsten unterschiede zwischen polnischem und deutschem schmuck?
Ich kann mich nur auf den Schmuckbereich beziehen, den ich am besten kenne: den Designer-Schmuck, der etwa fünf bis sieben Prozent des gesamten polnischen Schmuckhandels ausmacht. Trotz der Tradition von Designschmuck auf dem polnischen Markt sind polnische Frauen von einer breiten Palette an Schmuck verzückt. Sie kaufen und tragen Schmuck, den sie in der Werbung von Frauenmagazinen sehen. Leider ist das oft Modeschmuck.

Web_Zaremski_PortraitWoher kommen die Ideen für ihre Schmuckkreationen? Welche Vorbilder haben Sie?
Ich bin Absolvent der Akademie der bildenden Künste und bin im Atelier meiner Eltern aufgewachsen. Schmuck begleitet mich schon mein ganzes Leben, solange ich mich zurückerinnern kann. Manchmal orientiere ich mich an den Projekten und Arbeiten meiner Eltern aus den 1950er und 1960er Jahren. Sie sind meine größten Vorbilder und Quelle der Inspiration.

Verwenden Sie auch neue Techniken wie den 3D-Druck?
Ich benutze keine neuen Techniken, obwohl meine Designs minimalistisch und simpel sind. Ich denke, meine Kunden mögen es, dass unser Schmuck mit Werkzeugen angefertigt wird, die auch schon vor 100 Jahren benutzt worden sind.

Wie einfach oder schwer ist es für Sie, den deutschen oder internationalen Markt zu erreichen?
Der Schlüssel zum Knüpfen neuer Kontakte ist auf jeden Fall die Teilnahme an den großen Schmuckausstellungen. Jährlich beteiligen wir uns an Messen in
Europa und den USA. Momentan verkaufe ich in Polen maximal fünf Prozent meiner Produkte, den Rest verkaufe ich in Westeuropa. In meinem Schmuckatelier sind fünf Mitarbeiter tätig. Wir lagern keinen Schmuck ein, aber erfüllen alle Bestellungen aus unserem Katalog, der sich dank neuer Projekte oft verändert.Web_Zaremski

Was sind ihre Ziele für die Zukunft?
Mein kleines Unternehmen ist gleichzeitig Beruf, Hobby und großes Vergnügen. Alles fing 1946 an, als meine Eltern den Grundstein dafür legten. Mein Sohn
arbeitet nun in der dritten Generation für den Erfolg des Unternehmens, und ich hoffe, dass es auch in der nächsten Generation jemanden geben wird, der Interesse daran hat, das Vermächtnis meiner Eltern weiterzuführen