„3D ist nicht aufzuhalten!“

10. Februar 2016  
Gelistet unter: Design, News

poseidon_kleinInterview mit Sascha Vogt, Anbieter und Entwickler von 3D-Schmuck und Geschäftsführer von Unikumschmuck und Custom CAD 4 you in Saarlouis. Zusammen mit Asiga Deutschland (Anbieter von 3D-Druckern) erarbeitete er eine neue Studie, die zur Inhorgenta 2016 veröffentlicht wird. 

 

Wie hat sich Ihrer Meinung nach das Interesse an der Herstellung von Schmuck mit 3D-Technik entwickelt? 

Sascha Vogt: Das Interesse entwickelt sich gerade erst. Goldschmiede sind meist eher konservativ und erkennen manchmal nicht den Vorteil der 3D-Technik. Oder erkennen diese, scheuen aber den selbstständigen Einstieg mit Software aus Kostengründen oder Bedenken, die Technik nicht beherrschen zu können. Bis vor ca. zwei Jahren lag der Einstiegspreis für brauchbare 3D-Drucker bei ca. 25.000 Euro. (Günstigere Drucker, wie man sie z.B. Amazon bekommt, sind für den Goldschmiedebereich nicht geeignet!!!) Diese Geräte waren bzw. sind dann auch sehr kostenintensiv in der Unterhaltung bzw. anfällig für Reparaturen. Hinzu kommt die Software, die mit etwa 3.800 Euro zu Buche schlägt. Nicht zu vergessen die Kosten für Schulungen und das übliche „Lehrgeld”, das man immer bei neuer Technik zahlen muss.

 

Was interessiert die Designer/Kunden am meisten?

Ausgefallene Dinge. Die Möglichkeit, neue Ideen und Fantasien ohne Einschränkungen umsetzen zu können oder mit den Designs/Anfertigungen ein Alleinstellungsmerkmal zu etablieren.

 

Gibt es eine Art 3D-Trend?

Produziert wird, was gefällt. Große Marken bleiben ihrer Linie treu und nutzen die neueste Technik, um schnell und kostengünstig produzieren zu können. Wenn man einen Trend benennen will, so wäre das meiner Meinung nach personalisierter Schmuck. Weg von der Masse, wieder hin zum Einzelstück.

 

Wer interessiert sich vor allem für Ihr 3D-Angebot?

Meine Kunden kommen aus ganz Deutschland sowie aus Österreich, der Schweiz, Holland, Spanien, den USA und Ungarn. Ihre Wünsche sind immer die gleichen: marktfähig zu bleiben. Ihre eigenen Kreationen umsetzen. Der Wunsch nach eigenen Kollektionen als Alleinstellungsmerkmal ist oft der Antrieb für die Kontaktaufnahme. Da ich zudem die Dienstleistungen CAD-Zeichnen und Rapid Prototyping anbiete, kommen auch diejenigen Kunden, die zwar auf die neue Technik setzen wollen, aber aus unterschiedlichen Gründen (zu teuer, fühlen sich zu alt) lieber die Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

 

Wie beurteilen Sie die Zukunft in Sachen 3D-Schmuck?

Ich denke, die Zukunft von 3D im Schmuckbereich ist unaufhaltsam. Das wird nicht allein durch den Goldschmied, sondern auch durch seine Kunden bestimmt. Die Wünsche der Kunden werden immer komplexer und ausgefallener und sind von Hand nicht mehr zu produzieren. Die Akzeptanz von 3D-Technik liegt beim Kunden wesentlich höher als beim traditionsbewussten Goldschmied selbst. Ich sehe zwei Möglichkeiten: Entweder geht man mit der Zeit, oder man wird von ganz alleine aussortiert.

 

Gibt es technische Neuerungen?

Neuerungen gibt es fast jeden Tag. Wirklich gute Drucker, wie der Asiga Pico2, kosten inzwischen weniger als die Hälfte der Geräte von vor zwei Jahren. Die Materialien, mit denen gedruckt wird, entwickeln sich ebenfalls ständig weiter. Die Drucker werden schneller, noch genauer. Vor kurzem wurde ein „Wax Resin“ entwickelt, das das Hauptproblem der günstigeren Drucker löst, nämlich die Ausbrennbarkeit der Materialien und Modelle.

 

Wird man in absehbarer Zeit Schmuck direkt in Edelmetall drucken können? 

Das gibt es schon seit rund zwei Jahren. Vorteil hierfür sehe ich bislang noch nicht. Diese Geräte sind sehr teuer. Noch teurer aber ist deren Befüllung. Denn die „Druckerpatronen” müssen ja das entsprechende Edelmetall enthalten. Möchte ich also in 14-Kt.-Gold drucken, so muss ich eine Kartusche mit zum Beispiel 500 Gramm Inhalt bereitstellen – da wird ein ziemlicher Batzen Geld „eingelagert“, und das dann womöglich in allen gängigen Legierungen.

 

Ihr Ausblick in die Zukunft?

Ich denke, wir stehen, was die Verarbeitung der 3D-Technik im Goldschmiedebereich anbelangt, noch relativ am Anfang. Auch wenn es Unternehmen gibt, die schon jahrelang damit arbeiten und sich in der Zwischenzeit ein beachtliches Know-how erworben haben. Bis es soweit ist, dass die Mehrzahl an Goldschmieden auf diese Technik zurückgreift, ist es noch ein langer Weg. Es muss durch Aufklärungsarbeit geleistet werden, denn es gibt in der Branche eine gewisse Abneigung gegen die neue Technik. Das Hauptargument ist, dass es sich bei den Stücken nicht mehr um Handarbeit handelt. Doch ich sage: Was soll es sonst sein wenn nicht Handarbeit? Selbst die beste Software ist nicht in der Lage, den Wunsch „Mach mir ein Pferd“ durch Drücken der Enter-Taste zu erfüllen. Ich muss dieses Pferd, oder was auch immer, von Hand am PC modellieren. Nur ein Beispiel: Die Arbeitszeit für die Core47-Stücke betrug im Schnitt zw. 20 und 30 Stunden reines CAD-Zeichnen.

 

Die vollständige Studie können Sie hier einsehen und downloaden.