Designszene Düsseldorf

30. November 2010  
Gelistet unter: Design

Designszene Düsseldorf: Überall dort, wo Forschung und Lehre sich intensiv mit einem Fachgebiet befassen, entwickelt sich in der Regel eine lebendige Branchenkultur. Das trifft auch Auf Düsseldorf zu, wo die Fachhochschule als Kaderschmiede in Sachen Schmuckdesign immer wieder für neue Impulse sorgt.

Das Tourismusamt wirbt stolz: „Düsseldorf ist mehr als eine Einkaufsmetropole – hier werden Modetrends kreiert und präsentiert.“ Jeder kennt die berühmte „Kö“, die Königsallee, die sich als „Boulevard“ vor allem der Selbstdarstellung widmet, viele besuchen die großen Modemessen cpd, alle genießen das elegante Flair der City und die gemütlichen Kneipen der Altstadt. Aber Düsseldorf ist auch Kulturstadt, besitzt vor allem im Bereich der avantgardistischen Kunst einen Weltruf. Ein guter Ort auf jeden Fall für einen Studiengang an der Fachhochschule, der sich „Applied Art und Design“ nennt und auf dem historisch gewachsenen Profil des Düsseldorfer Schmuckdesignstudiums aufbaut. Professor Herman Hermsen, der hier die Geschicke leitet (zusammen mit Prof. Elisabeth Holder und Herbert Schulze), macht einiges anders als die anderen. So gibt es in Düsseldorf eine enge Verflechtung des Studienganges mit dem kulturellen und beruflichen Umfeld der Stadt, dort werden lokale und internationale Netzwerke gesponnen und genutzt.
Professor Hermsen: „Der größte Unterschied zu anderen Studiengängen: Wir haben  einen Schwerpunkt in der Gestaltung von Schmuckstücken für die Serien­herstellung und decken damit die gesamte Bandbreite vom Unikat bis zur Serie ab.“ Außerdem wird eifrig kooperiert: mit Industrie, Vermarktung, Messen und Ausstellungen. Das Gegenteil also vom designerischen „Elfenbeinturm“ – was den jungen Designern den Weg in den Beruf außerordentlich erleichtert.
Schon lange hat sich in Düsseldorf eine bemerkenswerte Schmuckszene etabliert, gibt es spannende Zusammenschlüsse und interessante Galerien. Als „Mutter“ aller Schmuckgalerien wird Orfèvre bezeichnet, die es schon seit 40 Jahren gibt. Eine Institution ist auch die Galerie Schulte-Hengesbach (siehe unser Kurzportrait), Absolventen der Fachhochschule leiten die Galerien Cebra, detail3 (unsere Portraits), Privat, Steinreich, Träume und Taten, um nur einige zu nennen.
Weil es gemeinsam besser geht, haben sich Initiativen und Gruppen gebildet: „düsselGOLD“ zum Beispiel (siehe Seite 71). Die Liste der Düsseldorfer Schmuckschaffenden ist lang, und man kann nur jedem Besucher der Stadt empfehlen, nicht nur die großen Juweliere und mondänen Shops zu beachten, sondern auch ein paar der vielen modernen und originellen Galerien zu besuchen. Neben­stehend eine kleine Auswahl wichtiger Designerinnen.

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Eine „Grande Dame“ der deutschen Schmuckkultur, die schon in den 1970er-Jahren ihr eigenes Atelier eröffnete und seit 1987 eine renommierte Galerie in Düsseldorf betreibt. Die Schmucklinien der vielfach ausgezeichneten Diplom-Designerin sind klar, aber dennoch auch emotional. Mit ihrem kinetischen Schmuck nahm sie ein Thema aus der Studienzeit wieder auf. Über Düssel­dorf: „Düsseldorf hat die Vorzüge einer Großstadt, ist aber eigentlich recht klein. Die rheinische Frohnatur gefällt mir!“

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Die gebürtige Pforzheimerin, in Düsseldorf zur Diplom-Designer­in ausgebildet, ist den Lesern des „Schmuck Magazins“ mit ihren farbenfrohen Schmuckstücken und ihrem gekonnten Umgang mit außergewöhnlichen Materialien bestens bekannt. Sie meint: „Die Menschen in Düsseldorf sind ‚schmuckverrückt‘ und auf­fällig modebewusst. Aus diesem Grund schaffen es unzählige Galerien, Schmuck- und Kunstläden, die Vielfalt an Möglich­keiten zu präsentieren. Man bekommt in dieser Stadt jede Menge Input, der beflügelt.“

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Winzige Kleeblätter, hauchzarte Pusteblumen, gepresste Blüten, aber auch funkelnde Brillanten und feine Spitze umschließt sie mit Gießharz – um durch diese Art der Aufbewahrung liebgewonnene Erinnerungen festzuhalten. Ihre transparenten Ringe und Anhänger versteht die Designerin als eine Möglichkeit, die schönen Fundstücke in einem ewigen Kreislauf zu erhalten. Die mehrfach ausgezeichnete Diplom-Designerin aus Langenberg eröffnete 2007 in Düsseldorf die Galerie Träume und Taten.

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In Krefeld geboren, in Düsseldorf aufgewachsen, da auch studiert und einfach geblieben: Die Diplom-Designerin, die schon als Kind gerne Schmuck entwarf,  hat sich einer Designsprache verschrieben, die Lebendigkeit und Individualität vermittelt und einfach Freude macht. Ihre Materialien sind Aluminium, Nylon, Silber und Gold, Farbsteine und Perlen, die sie zu verspielten und bezaubernden Arrangements vereint, die gleichzeitig auch Selbstbewusstsein vermitteln. Zahlreiche Ausstellungen und Auszeichnungen begleiten ihren Weg, zum Beispiel ein „Design Plus“ aus Frankfurt und ein „Best of Selections“ des Design-Zentrums NRW.

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„Als gebürtige Düsseldorferin schätze ich die Herausforderung, in einer Stadt mit großem Kulturbewusstsein und einer lebendigen Schmuckszene meinen eigenen Weg zu gehen.“ Die Diplom-Designerin hat sich mit ihrer Werkstattgalerie in Hagen nieder­gelassen. Zu ihren Kollektionen gehört Mottoschmuck („Ich bin wertvoll“), die Wechselringe „Change“ oder die „ImWort“-Kollektion, zum Beispiel mit dem Text „Lass uns ein Wunder sein“. Silber wird bestempelt, Buchstabe für Buchstabe, nicht linear, sondern intuitiv platziert.

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„Düsseldorf bietet uns Kreativen viele Möglichkeiten, wir müssen nur mehr darüber sprechen!“, meint Claudia Schmedding, die zusammen mit Andreas Lehmann (beide Diplom-Designer) als Düsseldorfer Kreativduo Lehmann & Schmedding Design neuen Dingen Gestalt geben will. „Klare Ziele im Blick, emotional zugängliches Neuland erschließen, das anders ist als alles Bekannte“, so das Leitbild. Claudia Schmeddings Leidenschaft: eine Brücke zwischen klassischen und unkonventionellen Materialien zu schlagen.

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Seit Heike Schirmer 1984 ihren ersten Werk- und Ausstellungsraum „Detail“ in Düsseldorf gründete, folgen ihr begeisterte Menschen von Ausstellung zu Ausstellung und in die Schmuckräume des heutigen detail 3 der Blücherstraße. Das Konzept: mit Leidenschaft guten Schmuck zu entwerfen, zu fertigen – und zu präsentieren. Die Stücke der studierten Designerin: perfekt proportionierter Schmuck mit feinsinnigen Titeln – edel und hochgradig schmückend – in überzeugender Pracht der Reduzierung.

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Ihr Schmuckhandwerk geht vom Kopf über die Seele in die Finger. Ihre Inspiration ist die geordnete Unordnung. Sie liebt die Kontraste aus Starrheit und Bewegung, aus Einklang und Vielfalt, Zartheit und Stärke – Schmuckobjekte, die beim Tragen ihren Zauber preisgeben. Die Goldschmiedin und studierte Schmuckdesignerin nimmt gerne an Ausstellungen teil, wo Kunst und Handwerk auf Schmuck und seine Ausdruckskraft stoßen. Neben der eigenen Schmuckkreation im detail3 lehrt sie Schmuckherstellung in der „Alten Post“, Schule für Kunst und Theater, in Neuss.

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„Schmuck ist ein Teil von mir. Er trifft im Idealfall eine verwandte Seele – und wird ein Teil von ihr.“ Die leidenschaftliche Goldschmiedin studierte Schmuck- und Produktdesign in Düsseldorf, arbeitet seitdem als freischaffende Schmuckdesignerin (bis 2006 im Fachwerk in Neuss, seitdem im detail 3). Sie wurde mit dem Staatspreis für das Kunsthandwerk NRW ausgezeichnet. Wie ihre Kollegen von detail 3 ist sie der Ansicht, dass es ein Genuss ist, in Düsseldorf zu leben und zu arbeiten.

Anhänger "Schneewittchen" von Stefanie von Scheven

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mit Spitze und Brillanten in Gießharz

5 gute Nachrichten für die Branche November/Dezember 2010

30. November 2010  
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